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Geschichte

Die Gemeinde Alpen in ihrer heutigen Zusammensetzung ist im 1. Neugliederungsprogramm des Landes Nordrhein Westfalens (1968/1969) durch freiwilligen Zusammenschluss der ehemaligen selbständigen Gemeinden Alpen, Menzelen und Veen entstanden. Sie setzt sich aus den Ortsteilen Alpen, Bönninghardt (erst seit 1976), Menzelen und Veen zusammen, sowie aus den kleineren Ortsbereichen Bönning-Rill, Drüpt und Huck. Menzelen wird unterteilt in Menzelen-West (früher Menzelener Heide) und Menzelen-Ost (früher Menzelen). Idyllisch am Rande ausgedehnter Waldungen gelegen fügt sie sich harmonisch in das für die niederrheinische Tiefebene charakteristische Landschaftsbild ein.  

Die Ortsteile der Gemeinde

Alpen

Ausug aus der Karte Grafschaft Moers - Darstellung Herschaft AlpenAlpen, Hauptort und Namensgeber, ehemals Alpheim,  wird urkundlich erstmalig 1074 erwähnt. Bis um 1330 war der Ort mit der Burg und Herrschaft im Besitz eines Geschlechtes, das sich "von Alpen" nannte. Von 1330 bis 1422 besaßen die Vögte von Köln die Herrschaft und nahmen ebenfalls den Namen von Alpen an. Im Jahre 1354 verlieh Gumprecht I dem Ort 17 Privilegien, die eine Erweiterung der Stadtrechte beinhalteten. Gleichzeitig wurde die Stadtbefestigung gebaut. Das Münzrecht erhielten die Herren von Alpen 1349. Im Jahre 1422 belehnte der Erzbischof von Köln den Junker Gumprecht II von Neuenahr mit der Erbvogtei von Köln und der Herrschaft Alpen. Bei dem Geschlecht von Neuenahr blieb Alpen bis 1602.

Die letzte Herrscherin aus dem Geschlecht von Neuenahr war die Kurfürstin Amalia von der Pfalz, Alpens bedeutendste Tochter und Wohltäterin ihrer Zeit.

Ganzkörperportrait stehend Kurfürstin AmalieSie wurde 1539 auf dem Schloss in Alpen geboren und ist nach wechselvollem Leben dort am 20. April 1602 gestorben. Ihre letzte Ruhestätte hat sie in der, auf ihre Initiative hin erbauten evangelischen Kirche gefunden.

Nach ihrem Tod fiel die Herrschaft Alpen durch Erbschaft an das westfälische Haus Bentheim. 1716 wurde die gesamte Stadt durch eine Feuersbrunst eingeäschert. Nach der Besetzung des linken Rheinufers durch französische Revolutionsarmeen endet die Herrschaft der Bentheimer.

Die evangelische Kirche zu Alpen ( Baudenkmal) (1602-1603 erbaut) ist der älteste frühbarocke Kirchenbau am Niederrhein und die älteste reformierte Pfarrkirche in Deutschland. Das Grabmal (Epitaph) der Kurfürstin Amalia, die letzte niederrheinische Denkmalsorgel von J.E. Teschemacher und die Kanzel sind die Prachtstücke des Innenraumes. Auf dem östlich angrenzenden Kirchengelände steht seit Herbst 2005 das Denkmal der Kurfürstin Amalia.

Die katholische Kirche St. Ulrich (Baudenkmal) - von 1873 bis 1875 errichtet (Turm erst 1903) - beeindruckt besonders durch ihre qualitätsvolle und geschlossene Ausstattung im neugotischen Stil.

Auf dem am östlichen Ortseingang aufgeschütteten Erdhügel (Motte) stand die Niederungsburg (Bodendenkmal) der Herren von Alpen, im Volksmund 'Kasteel' genannt. Sie war bis zum Erdbeben im Jahre 1758 bewohnt. Unter der Herrschaft Napoleons wurde sie 1809  bis auf sehr geringe Grundmauerreste abgetragen.

Bönninghardt

Der Name Bönninghardt ist von seinem Ursprung her die Bezeichnung für den ca. 37qkm großen eiszeitlichen Höhenzug am Niederrhein, westlich von Alpen gelegen, im Mittel etwa 45 m über NN.

Er wurde im Jahre 1184 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Damals verlieh der Erzbischof von Köln den Höfen zu Borth das Recht des Holzschlages im Walde Berenkard. Dieser hauptsächlich von Heide bewachsene Landstrich galt bis auf den kleineren bewaldeten Teil der Leucht als völlig unkultiviert, eine Sandwüste zwischen Rhein und Maas. Den nordwestlichen Teil der Heide beanspruchte das Herzogtum Kleve - seit 1666 im Besitz von Brandenburg/Preußen - , der südöstliche Teil gehörte zum Kurfürstentum Köln.

Nachbildung einer Plaggenhütte aus Lehm und Grasplaggen um 1890Die ersten Siedler waren im März 1770 drei Pfälzer Familien, auf preußischem Gebiet nahe Sonsbeck, denen schon bald weitere folgten. Ab 1778 wurde auch der kurkölnische Teil der Heide besiedelt. Dabei kamen die Kolonisten nicht nur aus der Pfalz, sondern auch aus der näheren Umgebung. Da sie aber keine Mittel zur Kultivierung des kargen Bodens besaßen, verarmten sie zusehends mehr und mehr, lebten in Erdhöhlen und Plaggenhütten und verdienten sich unter anderem mit Besenbinden einen kärglichen Lohn. Als Napoleon diese Heide 1810 auf die umliegenden von ihm neu geschaffenen "mairies" (Bürgermeistereien) Issum, Veen, Alpen, Sonsbeck, Kapellen, Vierquartieren (heute Kamp-Lintfort) und Kamp aufteilen ließ, wurde die Lage auch nicht besser. Die Kommunen zeigten kein Interesse an ihrem neuen Besitz. Alpen hat sich sogar sehr früh von seinem "Geschenk" getrennt, mit Sicherheit schon vor 1821, denn auf der Katasterurkarte der Bürgermeisterei Alpen aus diesem Jahre ist eine Gemeinde Bönninghardt schon mit ihren Grenzen eingezeichnet. Das war die Geburtsstunde der ersten und einzigen politischen Gemeinde Bönninghardt und sie hatte bis zum 30. März 1939 Bestand. Ein großer Teil ihres Gebietes wurde im Volksmund schon immer als "Alte Börry" bezeichnet. Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts bemühten sich endlich die zuständigen preußischen Behörden und Institutionen wie Kirchen und Verbände, die wirtschaftlichen und sozialen Missstände auf der gesamten Bönninhardt (d.h. unabhängig von den kommunalen Grenzen) zu verbessern. Es wurden Brunnen, Kirchen und Schulen gebaut. Aber erst durch die sich im Laufe der Zeit verbessernde Agrartechnik mit Kunstdünger, Großgeräten und künstlicher Bewässerung, wurde aus der Heide eine blühende und ertragreiche Kulturlandschaft, zugleich ein beliebtes Siedlungsgebiet. Alpens Anteil am Höhenzug der "Bönninghardt"  beträgt heute ca. ein Drittel dessen Fläche. DIeses Gebiet bildet seit 1976 Alpens vierten Ortsteil, verständlicherweise mit dem Namen Bönninghardt. Im Juni 2013 wurde der auf einem Teil des ehemaligen Bahnhofgeländes errichtete ansehnliche Dorfplatz an die Bönninghardter Bürger als Dorfmittelpunkt übergeben.

Menzelen

Seitenansicht der Katholischen Kirche - Kirchturm und LanghausDer Name Menzelen, älteste erwähnte Namens-formen 'masenzel' (1074) oder 'magencele' (1144), könnte sich aus den Wortbestandteilen 'magin' und 'cella' zusammensetzen und 'Wohnstätte der Jungfrau' bedeuten.

Eine erste Besiedlung erfolgte um 500 - 800 v. Chr. Seit 1290 stand die Ortschaft unter dem Einfluss des Xantener St.Viktorstiftes.

Menzelens Kirche St. Walburgis(Baudenkmal) liegt auf der höchsten Stelle des Ortes und ist eine Anlage aus dem 15. Jahrhundert. Dreimal wurde sie erweitert. Wertvollstes Kunstdenkmal dieser Kirche ist ein Taufstein aus der Zeit um 1260 und damit ein Werk der Spätromanik. Nach der Eröffnung der Köln-Mindener Eisenbahn zu Silvester 1874 und dem Bau einer Bahnstation an der alten Poststraße, begann auch die stärkere Besiedlung der Menzelener Heide.

Veen

Der Name Veen bedeutet Sumpfland und Moor. Die ersten Herrscher von Veen nannten sich entsprechend: 'Herren utten Venne' und wohnten auf einer Burg am Rande des heutigen Ortskerns.

Seitenansicht der Katholischen Kirche- Kirchturm und LanghausAus den Geschichtsunterlagen weiß man, dass im Jahre 1232 ein Streit zwischen dem Xantener Stift und dem damaligen Herren von Veen, 'Ritter Dietrich utten Venne', beigelegt wurde. Durch die Beilegung dieser Streitigkeiten wurde die Kapelle in Veen zur selbständigen Pfarrei erhoben und von der Mutterkirche zu Xanten getrennt. Die aus der bereits im 11. Jahrhundert vorhandenen Kapelle hervorgegangene St. Nikolaus Kirche (Baudenkmal) erhielt 1458 ihre heutige Größe. Nach fast völliger Zerstörung am Ende des 2. Weltkrieges erstrahlt die Kirche schon seit 1950 wieder im neuen Glanze, allerdings ohne Spitzturm. Auf das Jahr 1581 geht die St. Nikolaus-Schützenbruderschaft zurück.

Die kleineren Ortsbereiche der Gemeinde

Bönning-Rill

Frontansicht Haus GrünthalIn der älteren Bezeichnung 'Bönningen' läßt sich durch die Endung 'ingen' ein fränkischer Ursprung erkennen. Bekannt war das in Bönning liegende Haus Loo schon seit dem 14. Jahrhundert. Hier war die Grenze zur Herrlichkeit Alpen. Die ehemals selbständige Gemeinde Bönning existierte bis 1939 und ihr Protokollbuch ist noch erhalten. Die Ratssitzungen wurden in der alten Poststation 'Haus Grünthal' abgehalten.

Durch die Entdeckung und Ausgrabung des bedeutenden Frankenfriedhofes ist die Besiedlung in Rill schon für die Zeit der Völkerwanderung (5. bis 8 Jahrhundert) belegt. Der Ortsname Rill taucht erstmalig 1184 in einer Urkunde des Kölner Erzbischofes auf, als ein Henrico de Rele als Zeuge genannt wird. Die heutige Riller Siedlung ist aus dem Kasernenstandort der belgischen Besatzer nach dem 1. Welkrieg entstanden. Besonders nach 1950 hat sich dieses ehemalige Barackengelände zu einem ansehlichen Wohngebiet entwickelt.

Drüpt

Erste Siedlungsspuren in Drüpt stammen von den Römern, die hier einen Posten der XXX. Legion hatten. Möglicherweise entstammt der Name Drüpt aus dem antiken Ortsnamen TREPITIA. Einzelfunde belegen die Anwesenheit der Römer bis in die Spätantike und die der darauf gefolgten Franken bis in das 6. Jahrhundert.

Römische Münze mit Portrait Kaisers Valentinianus IIn den schriftlichen Quellen taucht dann 1260 n. Chr. zum ersten Mal das Patriziergeschlecht derer von Drüpt auf, welches bis zum 16. Jahrhundert in den Rats- und Schöffenverzeichnissen (Schöffen = Urteilsfinder der Volksgerichte) von Rheinberg zu finden ist. 
Im Jahre 1579 entsteht „am Drüptstein" eine Zollstelle mit Schänke, welche zur wichtigen Einnahmequelle der Herren von Alpen wird. Um 1662 hat die Bauernschaft Drüpt 17 Höfe und Katstellen. Im Jahre 1683 wird der noch heute bestehende Bürgerschützenverein Drüpt gegründet. Auch Drüpt war bis 1939 eine selbständige Gemeinde.

Huck

Frontansicht Jagdhaus HuckDieser kleine Ortsbereich südlich der Umgehungsstraße bis zum Beginn der Leucht war ebenfalls bis 1939 eine eigenständige aber winzige Gemeinde, die gänzlich landwirtschaftlich geprägt war. Heute ist er ein reines Wohngebiet.

Alpens Verwaltungsgeschichte von der französischen Besetzung 1794 bis heute

Wenige Jahre nach der Besetzung des Rheinlandes durch Napoleon begannen die Franzosen mit einer Neuordnung der Verwaltung ohne Rücksicht auf gewachsene Strukturen.

1798 wurde das Rheinland in vier Départements eingeteilt, diese in mehrere Arrondissements und diese wiederum in Kantone. Die unterste Verwaltungseinheit bildeten die „Mairien“(Bürgermeistereien), zu denen meist mehrere, „Communes“ (Gemeinden) gehörten. Auf unserem Gebiet gab es die Marie de Veen, die zum Kanton Xanten im Arrondissement Kleve gehörte und die Mairie d’Alpen, die allerdings zum Kanton Rheinberg in Arrondissement Krefeld gehörte. Beide Mairien bestanden aus mehreren Gemeinden (s.u.) und gehörten letztlich zum Département de la Roer mit Sitz in Aachen. In dieser Zeit verlor Alpen seine Stadtrechte. Als nach dem Wiener Kongress 1815 das Rheinland preußisch wurde, blieben vor allem auf unterster Ebene die französischen Verwaltungsstrukturen erhalten, natürlich mit deutschen Bezeichnungen.

So gab es bei uns:

Die Bürgermeisterei Veen mit den Gemeinden Veen, Birten, Winnenthal, Menzelen und Bönning.

Die Bürgermeisterei Alpen mit den Gemeinden Alpen, Drüpt, Huck, Millingen und Alpsray (seit 1934 auf Wunsch der Einwohner nach Rheinberg eingemeindet). Die Gemeinde Bönninghardt, deren Gebiet Alpens ehemaligem Anteil an der Heide entspricht, wurde vermutlich erst 1820 eingerichtet (s.o.).

In der Anfangszeit der preußischen Verwaltung war es durchaus üblich, dass mehrere Bürgermeistereien von einem Bürgermeister als Verwaltungsfachmann verwaltet wurden. Das Gehalt von einem "Job" reichte wohl nicht zum Leben aus. So lag z.B. die Verwaltung von Veen, Labbeck und Büderich in der Hand eines Bürgermeisters. Gleiches traf für Rheinberg, Alpen, Ossenberg und Budberg zu. Seit ca. 1850 hatte Alpen einen eigenen Bürgermeister, der einige Jahre später dann auch in Personalunion Bürgermeister von Veen wurde.

Am 27.12.1927 wurden die Titel Bürgermeisterei in Amtsverwaltung umbenannt. Die politischen Gebilde und die Verwaltungsstruktur blieben aber unverändert.

Die erste große Veränderung wurde im Oktober 1938 in die Wege geleitet und am 1.4.1939 rechtskräftig, also nach 124 Jahren. An diesem Tage wurde das Amt Alpen-Veen eingerichtet. Gleichzeitig wurden nur noch 4 Gemeinden gebildet: Alpen, Birten, Menzelen und Veen.

Dabei wurden die ehemals selbständigen Gemeinden Bönninghardt, Drüpt, Huck und Millingen( seit 1974 durch Gebietsaustausch fast ganz zu Rheinberg gehörend) Alpen „einverleibt“. Winnenthal wurde der Gemeinde Birten angegliedert und Bönning kam zur Gemeinde Menzelen.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die 1939 eingerichtete Verwaltungsstruktur wieder aufgegriffen. Dabei gab es auf Vorgabe der Alliierten eine entscheidende Veränderung. Dem Amtsbürgermeister und den 4 Ortsbürgermeistern wurde als Verwaltungschef ein Amtsdirektor zur Seite gestellt, damit die Gewaltenteilung gewährleistet war.

Die letzte große Veränderung in der Verwaltungsgeschichte, die auch heute noch Bestand hat, wurden 1968/69 vollzogen. Die bis dahin selbständigen Gemeinden Alpen, Veen und Menzelen vereinigten sich am 1. Juli 1969 durch freiwilligen Zusammenschluss im 1. Neugliederungsprogramm des Landes Nordrhein Westfalen zur Gemeinde Alpen. Birten kam im Zuge dieser Neuordnung zu Xanten.

Die Gemeinde Alpen setzt sich heute aus den Ortsteilen Alpen, Bönninghardt (erst seit 1976), Menzelen  und Veen zusammen, sowie aus den kleineren Ortsbereichen Bönning-Rill, Drüpt und Huck. Menzelen wird unterteilt in Menzelen-West (früher Menzelener Heide) und Menzelen-Ost (früher Menzelen). Seit 1999 gibt es auch keinen Gemeindedirektor mehr. Der Bürgermeister ist Verwaltungschef und Ratsvorsitzender in einer Person.

Mehr über die Geschichte Alpens und seiner Ortsteile findet man in Schrift und Bild im Literaturverzeichnis.